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Der Junge, der Träume schenkte

Vor kurzem berichtete ich über den Kindle. Nun habe ich zu Weihnachten einige E-Books geschenkt bekommen, die ich eigentlich für den Urlaub aufheben wollte. Ein Reader ist schließlich genau dafür gedacht, dass nicht kiloweise Bücher im Reisegepäck mitgeschleppt werden müssen. Leider habe ich kein einziges „richtiges“ Buch bekommen! Alle meine Freunde wissen, dass meine Bücherregale zum Bersten voll sind. Hallo?! Obendrauf wäre aber noch reichlich Platz gewesen! Die Feiertage sind lang, das Fernsehprogramm ist öde und ich will lesen.

Sado Maso oder gehobene Literatur – eine schwere Entscheidung

Zur Auswahl stehen „Shades of Grey“ von E.L. James, „Jesus liebt mich“ von David Safier und „Der Junge, der Träume schenkte“ von Luca Di Fulvio.

Der Softporno der jungfräulichen Möchtegern-Domina fällt gleich unten durch. Dieses Geschenk ist wohl ein schlechter Scherz meines Freundes, der ganz genau weiß, was ich von dilettantischen Versuchen halte, unbedarften Hausfrauen den Sinn von BDSM zu erklären. Ehrlich, da ist das wahre Leben interessanter. Schaut euch einfach mal auf Joyclub um, Anmeldung ist kostenlos…

Mit „Shades of Grey“ bekommt er demnächst den Hintern versohlt. Mist – das geht ja gar nicht! Das hält mein Kindle nicht aus. Echte Bücher sind für spezielle Vorhaben eben doch besser geeignet. Wahrscheinlich hat er es darauf angelegt.

Doch zurück zum Thema: „Jesus liebt mich“ erscheint mir zu dünn. Das ist jetzt wirklich lustig, denn Bücher im Kindle sind immer gleich dick. Ich meine also: Das Buch hat zu wenig Lesestoff, denn ich will ausgiebig schmökern. Also entscheide ich mich für „Der Junge, der Träume schenkte“. Das Buch wird im Klappentext (oder wie man das bei einem E-Book nennt) als „pralles Feuilleton der New Yorker 20er Jahre“, als episches Meisterwerk und fesselnder Spitzenroman angepriesen, außerdem wird der Autor mit Charles Dickens verglichen. Ich bin gespannt und lege los.

Der Junge, der Träume schenkte“: Albtraumgefahr oder traumhaft?

Dummerweise habe ich die miesen Rezensionen bei Amazon gelesen, bevor ich angefangen haben, diesen Bericht zu schreiben. Das macht aber nichts. 120 absolut schlechten Meinungen über das Buch stehen nämlich etwa 380 gute Meinungen gegenüber (bei „Shades of Grey“ ist es, glaube ich, umgekehrt). Und was soll ich Euch sagen – mir hat der Traumjunge ausnehmend gut gefallen! Ich habe die 780 Seiten (bzw. 956 KB) in anderthalb Tagen durchgelesen. Wenn mich ein Roman fesselt, dann kann ich ihn nicht mehr aus der Hand legen. Ein gut geschriebenes Buch ist wie ein guter Film.

Der Junge der Träume schenkte

Die Handlung im Schnelldurchlauf: Ein kleiner Junge wandert mit seiner Mutter vom ländlichen Italien nach Amerika aus. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen, obwohl sie als erfolgreiche Prostituierte arbeitet. Er gründet eine Gang (diese Episode ist wirklich niedlich und berührend), gerät kurzzeitig auf die schiefe Bahn, steigt dann zum Radiomoderator auf und findet seine große Liebe wieder. Dieses Mädchen hat er, ziemlich zu Beginn der Story, nach einer Vergewaltigung vor dem sicheren Tod gerettet. Das Buch enthält ein paar brutale Szenen, ziemlich viel Sex und einige langatmige Passagen.

Mein Fazit: Lesen!

Der Anfang beginnt furios. Die Geschichte über Sex und Gewalt, Armut und Liebe reißt mich bis zum zweiten Drittel atemlos mit. Ich will unbedingt wissen, wie es mit dem blonden Möchtegerngangster, der natürlich ein herzensguter Junge ist, weitergeht. Das Ende lahmt etwas, wahrscheinlich saß dem Autor der Verleger im Nacken und das Buch musste schnell fertig werden. Aber in seiner Gesamtheit hat mich „Der Junge, der Träume schenkte“ berührt, gefesselt und ausgezeichnet unterhalten.

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Der Junge, der Träume schenkte

Jesus liebt mich

Shades of Grey

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